Mario Linowski: Yoga in 9 Milimeter

„Lange Zeit hatte ich eine völlig falsche Vorstellung davon, was in den Schützenvereinen in unserer Region so abgeht. Das hat mich lange Zeit davon abgehalten ein Schützenhaus zu betreten. Inzwischen könnte ich mir mein Leben ohne den Verein gar nicht mehr vorstellen.“

Ich heiße Mario Linowski, bin 49 Jahre alt und wohne in Diez. Ich bin beruflich als IT-Berater unterwegs. Dieser Beruf fordert mir und meiner Familie einiges ab. Da braucht man schon einen Ausgleich. Hauptsächlich schieße ich Kurzwaffen. Ich mache „Yoga in 9 Millimeter“ wenn mich jemand fragt, was ich zum Ausgleich zu meinem fordernden Job so mache. Ich bin jetzt knapp 3 Jahre als Sportschütze im Schützenverein Diez-Freiendiez 1928 e.V. aktiv.

„Das Sportschießen erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Konzentration das dich alles um dich herum vergessen lässt.“

Mich verschlug die Liebe seines Lebens nach Diez. Ich bin verheiratet und habe einen erwachsenen Sohn. Inzwischen lebe ich seit über 25 Jahren in Diez und habe auch dort in der damals noch von der Bundeswehr genutzten Freiherr-vom-Stein Kaserne meinen Wehrdienst abgeleistet. Bei der Bundeswehr entdeckte ich meinen Spaß am Schießen.

„Mit Begeisterung dabei, aber nix getroffen. Leider hat sich daran nicht viel verändert. Wenn das Wort Wettkampf fällt treffe ich nichts mehr. Aber das geht vielen so.“

(C) 2017 Diez-Freiendiez 1928 e.V.

Ich war damals als Funktionspersonal eingesetzt und hatte dadurch ein sehr gutes Verhältnis zum Führungsstab der Kompanie. Das hat mir viele Gelegenheiten eingebracht, mit den Unter-Offizieren und Offizieren am Ende einer Übung sogenannte Rest-Mun zu verschießen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Danach musste man mir förmlich das Grinsen aus dem Gesicht meißeln. Nach meiner Bundeswehr Zeit habe ich oft darüber nachgedacht das Schießen zu meinem Hobby zu machen. Nur leider hielt mich meine falsche Vorstellung von Brauchtumspflege im Schützenverein davon immer wieder ab. Ich hatte wirklich keine Lust jedes Wochenende in Uniform auf einer anderen Veranstaltung herumzulaufen.

Ende 2014 traute ich mich dann doch in ein Schützenhaus. Auf Empfehlung eines Freundes ging ich dann eines Freitagabends ins Schützenhaus des SV Diez-Freiendiez und war sehr erleichtert dort zu erfahren, das die Schützen Brauchtumspflege, wie man sie kennt, in der hiesigen Region nicht so gelebt wird.

„Nicht das ich missverstanden werde: Ich habe nichts gegen Brauchtumspflege im Schützenverein. Im Gegenteil, das hat schon was. Mehrere Male war ich Gast eines Schützenfestes im Köln/Düsseldorfer Raum. Dort ist das ganze Dorf auf den Beinen, wenn die Schützen paradieren. Es ist halt nicht so mein Ding in Tracht rumzulaufen. Ich schieße eben lieber. Ich vermute sogar, dass uns die Brauchtumspflege bei den Schützen, die inzwischen auch geschütztes Immaterielles Kulturerbe der UNESCO ist, das Hobby retten wird, wenn man sieht, wie die EU momentan versucht den legalen Waffenbesitz einzuschränken. Aber das ist ein ganz anderes Thema.“

Inzwischen bin ich fast jede Woche mindestens einmal im Schützenhaus zu finden. Ich wurde damals mit offenen Armen aufgenommen. Mann kümmerte sich um mich und man nahm mich in die Gemeinschaft mit auf. Man führte mich gewissenhaft an den Umgang mit Waffen heran und jeder beantwortete bereitwillig Fragen. Auch zeigte man mir wie man es richtigmacht, nachdem ich die Worte „Das kann man ja nicht mit ansehen“ hörte.

Ich versuchte mich von Anfang an mich den Verein einzubringen. Auch wenn ich aufgrund meines Berufes die Woche über viel unterwegs bin und nicht bei allem dabei sein kann, habe ich dort im Verein meinen Platz gefunden. Ich kümmere mich inzwischen verantwortlich um den Online-Auftritt des Vereins und unterstütze auch aufgrund seiner Erfahrung im IT Bereich die Wartung der Elektronik auf den Schießständen.

„Unsere Kleinkaliber- und Luftdruckwaffen-Schießstände verfügen alle über eine moderne elektronische Trefferaufnahme. Unsere technische Ausstattung und der Zustand unserer Schießsportanlage ist in unserem Schützenkreis ganz weit vorne. Auch der Kurzwaffen Schießstand erfüllt den neuesten Standard.“

Im vergangenen Sommer haben die Mitglieder des Vereins mit viel Eigenleistung den Gästeraum des Schützenhauses renoviert und in ein Schmuckstück verwandelt. Das war nur aufgrund unserer vielen Mitglieder möglich, die mit ihrem Fachwissen und Arbeitskraft die Renovierung umgesetzt haben. Es ist richtig hell und freundlich geworden. Da sind wir auch mächtig stolz drauf.

Was ich sehr wichtig finde ist auch die Darstellung unseres Sportes in der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund finden in unseren Räumen zweimal im Jahr Wettbewerbe statt, an denen örtliche Vereine mit einer Abordnung teilnehmen, sei es das Ostereierschießen oder das Königsschießen der Ortsvereine.

Damit die Menschen sehen, dass wir keine schießwütigen Irren sind. Im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen, werden wir Sportschützen in Print, Funk und Fernsehen sehr oft reißerisch als Waffennarren und potentiell gefährlich dargestellt. Es ist mir persönlich wichtig dagegen anzugehen und aufzuklären. Aber es ist schon sehr schwer, wenn Menschen vorgefasste Meinungen zu ihrer eigenen machen. Meistens sind sie dann mit Argumenten und belegbaren Fakten nicht mehr zu erreichen. Ich kann versichern, wir sind ganz normale Menschen, Angestellte, Arbeiter, Selbstständige, ehemalige Polizisten, Soldaten und Rechtsanwälte, die ihrem Hobby nachgehen und mit ihrem Sportgerät, nichts anderes sind unsere Waffen für uns, gewissenhaft im Rahmen eines der strengsten Waffengesetze in der EU überhaupt, umgehen.

Um mich persönlich kennen zu lernen könnt Ihr ins Schützenhaus kommen. Wir beißen nicht, versprochen!