Holger Löber: Wie ich zum Böllern kam

(C) 2017 SV Diez-Freiendiez 1928 e.V.

Es muss irgendwann in meiner frühen Jugend passiert sein. Wahrscheinlich an Sylvester. Es gab kein Ende bevor sich nicht auch der letzte Feuerwerkskörper in Schall und Rauch aufgelöst hatte und war die Zündschnur noch so kurz.

Der Spaß am Knall und der Geruch nach Schwefel muss sich irgendwie tief im Unterbewusstsein festgesetzt haben. Doch ich denke auch meine damaligen Freunde hatten den selben Spaß daran. Ein paar Jahre später trat ich in den Freiendiezer Schützenverein ein, schoss ein paar Jahre lang mit Begeisterung Sportpistole, mit der Mannschaft sogar in der Rheinland- Liga. Danach kamen 2 Jahrzehnte ohne Schützenverein weil andere Sachen wichtiger waren.

(C) 2017 SV Diez-Freiendiez 1928 e.V.

So mit 40 entstand der Wunsch wieder etwas in einem Verein zu tun, hauptsächlich um den beruflichen Stress zu bekämpfen. Sofort erinnerte ich mich an die Sportpistolenzeit und wieviel Ruhe und Gelassenheit mir das sportliche Schießen damals gegeben hatte. So wurde ich wieder Mitglied im Schützenverein Freiendiez.

Mit Begeisterung schoss ich nun alles was man dort schießen konnte. Es gab im Verein eine kleine Böllergruppe um den damaligen Vorsitzenden Willi Begere und Manfred Tremper, die zu verschiedenen Anlässen böllerte. An einem Silvesterabend wurde wieder einmal geböllert und ich hatte endlich mal die Zeit gefunden nach Freiendiez zu fahren und dabei zu sein. Ein Schlüsselerlebnis, der Spaß am Knall , der Geruch nach Schwefel und das alles in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Freude pur.

Ab sofort wollte ich dazu gehören. Also Böllerlehrgang und ersten Handböller vom Schillinger. Als nächstes einen Standböller Marke Eigenbau, danach eine Schiffskanone usw.,usw,…..

(C) 2017 SV Diez-Freiendiez 1928 e.V.

Die Begeisterung blieb bis heute, wenn auch die Böllergruppe manchmal nur aus Manfred Tremper und mir bestand. Wir böllern heute z.B. an der Flachter Kirmes, an der Freiendiezer Kirmes, an Altweiberfastnacht am Schloss Oranienstein und immer wieder zu Sylvester in Freiendiez am Wirt. Momentan sieht es so aus als ob die Böllergruppe Zuwachs bekäme, den weitere 3 Schützenbrüder aus unserem Verein nehmen zur Zeit am Böllerlehrgang teil.

Manfred und ich würden uns auf etwas Unterstützung sehr freuen. Bei aller Begeisterung am Böllern sei jedoch etwas angemerkt: Jeder Böllerschütze sollte auch eine gehörige Portion Respekt mitbringen. Respekt vor der Macht des schwarzen Pulvers. Unachtsamkeit kann schwere gesundheitliche Folgen haben, nicht nur für den Böllerschützen, sondern auch für die Zuschauer. Anders als beim Schießen auf dem Schießstand wo jeder sachkundig ist und im Idealfall, jeder jeden überwacht und zusätzlich eine verantwortliche Aufsicht das Ganze im Auge hat, findet das Böllern ja meistens in der Öffentlichkeit statt. Hier obliegt dem Böllerschützen eine ganz besondere Verantwortung.

Doch genug gemahnt.

Für Manfred und mich gab es in den letzten Jahren keinen schöneren Moment, als sich unter dem Beifall der Zuschauer die Hand zu geben und zu sagen: Wieder mal geböllert, ohne besondere Vorkommnisse.

Holger Löber